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Migräne & Physiotherapie in Dübendorf: Wenn Nacken, Haltung und Stress mitspielen

Migräne ist mehr als „nur Kopfschmerz“: Viele Betroffene erleben zusätzlich Nackensteifigkeit, Schulterspannung, Licht-/Lärmempfindlichkeit, Übelkeit oder Konzentrationsprobleme. Physiotherapie kann Migräne nicht „heilen“ – sie kann aber sinnvoll unterstützen, wenn muskuläre Spannung, eingeschränkte Beweglichkeit, Belastungssteuerung und Stressregulation eine Rolle spielen.

Lesedauer: ca. 10–14 Minuten

Stand:

Autor: (Dipl. Physiotherapeut, zertifizierter HWS- und Atlastherapeut)

Praxis: PhysioFit Kauz, Dübendorf

Viele Migräne-Betroffene spüren Nacken- und Schulterspannung – Physiotherapie setzt häufig bei Haltung, Beweglichkeit, Belastbarkeit und Stressregulation an.

1) Was ist Migräne – und was ist sie nicht?

Migräne ist eine neurologische Erkrankung mit wiederkehrenden Attacken. Typisch sind mittelstarke bis starke Kopfschmerzen (häufig pulsierend), oft begleitet von Übelkeit, Licht-/Lärmempfindlichkeit oder dem Wunsch, sich in einen dunklen, ruhigen Raum zurückzuziehen. Manche Menschen erleben eine Aura (z. B. visuelle Störungen), andere nicht.

Migräne vs. Spannungskopfschmerz vs. zervikogener Kopfschmerz

In der Praxis gibt es häufig Mischbilder: Migräne kann gleichzeitig mit Spannungskomponenten im Nacken/Schultergürtel auftreten. Zusätzlich existieren Kopfschmerzformen, bei denen Strukturen der Halswirbelsäule stärker beteiligt sind (zervikogener Kopfschmerz). Darum ist eine saubere Einordnung wichtig – idealerweise gemeinsam mit Ärztin/Arzt und Physiotherapie.

  • Migräne: oft mittel bis stark, Aktivität kann verschlechtern; Begleitsymptome sind häufig.
  • Spannungskopfschmerz: eher drückend/ziehend, oft beidseitig, meist ohne starke Begleitsymptome.
  • Zervikogener Kopfschmerz: oft provokationsabhängig über Nackenbewegung/Belastung; Beweglichkeit/Segmentreizungen können mitspielen.

Wenn Sie unsicher sind, welche Form überwiegt: Das ist normal. Genau dafür gibt es strukturierte Diagnostik und ein planbares Vorgehen.

2) Nacken, Haltung, Stress: Verstärker, Symptom oder beides?

Viele Migräne-Betroffene berichten über Nackensteifigkeit oder Schmerzen im Nacken-/Schulterbereich – teils schon vor der eigentlichen Attacke. Wichtig dabei: Nackenschmerzen können bei Migräne auch Symptom sein und nicht zwingend der alleinige „Auslöser“. Gleichzeitig kann hohe Grundspannung im Schultergürtel Beschwerden verstärken – besonders in stressigen Phasen oder bei viel Bildschirmarbeit.

Warum Haltung trotzdem relevant ist

Eine dauerhaft nach vorne geneigte Kopfhaltung (z. B. Laptop/Smartphone) erhöht häufig die muskuläre Dauerarbeit im Nacken und verändert die Belastung im Schultergürtel. Das kann zu mehr Tonus, mehr Druckgefühl und schlechterer Regeneration führen – und damit Migränephasen ungünstig begleiten.

Stress als „Verstärker“: Nervensystem & Muskeltonus

Stress verändert das Nervensystem: Der Körper bleibt länger im „Aktivmodus“, die Atmung wird flacher, Muskeln spannen schneller an, Schlaf wird weniger erholsam. Genau diese Kombination kann Migränephasen häufiger oder intensiver wirken lassen. Wenn das bei Ihnen passt, lesen Sie ergänzend: Stress & Muskelspannung: Ursachen, Symptome und was wirklich hilft.

3) Wann sollten Sie ärztlich abklären lassen?

Physiotherapie ist eine sinnvolle Unterstützung – ersetzt aber keine medizinische Abklärung, wenn Warnzeichen vorliegen. Bitte lassen Sie Kopfschmerzen/Migräne ärztlich abklären, wenn eines der folgenden Merkmale zutrifft:

  • plötzlich „der schlimmste Kopfschmerz Ihres Lebens“ (sehr abrupt, sehr stark)
  • neu aufgetretene neurologische Ausfälle (z. B. Lähmungen, Sprachstörungen, Bewusstseinsstörungen)
  • Fieber, ausgeprägte Nackensteife, starker Krankheitsbeginn
  • neue Kopfschmerzen nach Unfall/Sturz
  • deutliche Veränderung Ihres bekannten Musters (Häufigkeit, Stärke, Begleitsymptome)
  • Attacken länger als gewohnt oder zunehmende Eskalation ohne klare Gründe

Hinweis: Dieser Beitrag ersetzt keine ärztliche Diagnose. Bei Unsicherheit gilt: lieber abklären.

4) Wie Physiotherapie bei Migräne unterstützen kann

Physiotherapie kann besonders dann sinnvoll sein, wenn Migräne zusammen mit Nacken-/Schulterverspannungen, eingeschränkter Beweglichkeit, Kiefer-/CMD-Themen oder klaren Belastungsspitzen (Sitzen, Stress, Schlafmangel) auftritt. Der Fokus liegt häufig auf einem multimodalen Vorgehen:

Baustein A: Manuelle Techniken – Entlastung gezielt einsetzen

Manuelle Techniken können kurzfristig Druck/Spannung reduzieren, Beweglichkeit verbessern und die „Daueranspannung“ im Schultergürtel senken. Wichtig: Das ist selten die alleinige Lösung – nachhaltig wird es meist erst durch die Kombination mit aktiven Massnahmen. Mehr dazu: Manuelle Therapie in Dübendorf.

Baustein B: Training & Stabilität – Belastbarkeit aufbauen

Ziel ist nicht „mehr Muskeln“, sondern bessere Lastverteilung, stabilere Schulterblattkontrolle, weniger Überlastung kleiner Nackenstrukturen und ein robusterer Alltag (Büro, Pendeln, Stressphasen). Je nach Befund ist gerätegestütztes Training sinnvoll: Krankengymnastik am Gerät (KGG).

Baustein C: Alltag & Selbstmanagement – Trigger besser steuern

Migräne ist multifaktoriell. Deshalb gehört in eine gute Betreuung immer auch eine klare Strategie: Pausen- und Belastungssteuerung, Schlaf- und Stressroutinen, Ergonomie, sinnvolle Bewegung und ein praxistaugliches Übungsprogramm.

Baustein D: Kiefer, Schulter, Brustwirbelsäule – das System mitdenken

Gerade bei stressbedingtem Zähnepressen/Knirschen kann der Kiefer eine Rolle spielen. Häufig profitieren Betroffene von einem kombinierten Ansatz für Kiefer + Nacken + Haltung. Passend dazu: Kieferbeschwerden & Zähneknirschen (CMD) – Physiotherapie in Dübendorf.

5) So läuft die Abklärung in der Physiotherapie ab

Eine wirksame Behandlung beginnt mit einer strukturierten Abklärung. Typisch sind folgende Schritte:

Schritt 1: Ihr Profil verstehen

  • Häufigkeit, Dauer, Intensität (wie viele Tage/Monat?)
  • Begleitsymptome (Übelkeit, Licht-/Lärmempfindlichkeit, Aura, Nackensteife)
  • Belastungsfaktoren (Bildschirmzeit, Arbeitsrhythmus, Schlaf, Stressspitzen)
  • Was hilft bisher – was nicht?

Schritt 2: Funktion testen

  • Beweglichkeit: Hals- und Brustwirbelsäule, Schultergürtel
  • Muskeltonus/Triggerpunkte: Schultergürtel, subokzipital, Skapulastabilisatoren
  • Haltung/Atmung: „hochgezogene Schultern“, flache Atmung, Daueranspannung
  • Belastbarkeit: Welche Positionen kippen den Tag?

Schritt 3: Ziel & Plan

Danach definieren wir konkrete Ziele (z. B. „weniger Abendspannung“, „robustere Bildschirmtage“, „Training wieder aufnehmen“) und bauen einen Plan: Entlastung + Übungen + Progression + Alltagsstrategie.

Wenn Sie unsere Praxis und das Gesamtangebot zuerst kennenlernen möchten: Physiopraxis Dübendorf – Ihre Gesundheit in guten Händen sowie Spezialbereiche Physiotherapie Dübendorf.

6) Alltag & Ergonomie: die grössten Hebel (ohne Perfektionismus)

Die beste „Haltung“ ist selten eine starre Idealposition – sondern Positionswechsel. Ihr Ziel: weniger Daueranspannung, mehr Durchblutung, bessere Regeneration.

Checkliste Arbeitsplatz (5 Minuten)

  • Bildschirmoberkante etwa auf Augenhöhe
  • Tastatur/Maus nah genug, damit die Schultern nicht hochziehen
  • Füsse stabil am Boden, Becken neutral, Rücken unterstützt
  • Headset bei häufigem Telefonieren (kein „Einklemmen“)
  • Alle 30–45 Minuten: 60–120 Sekunden Positionswechsel

Mikropausen: klein, aber wirksam

Viele Migräne-Betroffene profitieren mehr von 2-minütigen Mikropausen als von seltenen „perfekten“ Übungen. Entscheidend ist die Regelmässigkeit – besonders an intensiven Arbeitstagen.

7) Übungen: 6 sichere Basics für Nacken & Schultergürtel

Diese Übungen sind bewusst niedrigschwellig. Sie sind keine medizinische Individualtherapie, aber für viele Menschen ein guter Start. Wichtig: Alles schmerzarm durchführen. Wenn Symptome klar zunehmen oder neurologische Beschwerden auftreten: abbrechen und abklären.

1) Schulterkreisen (30–45 Sekunden)

Langsam nach hinten kreisen, dabei den Atem ruhig halten. Ziel: Tonus senken, nicht „Power“ machen.

2) Kinn sanft zurück (8–10 Wiederholungen)

„Doppelkinn“-Bewegung ohne Druck. Kopf bleibt gerade, keine Überstreckung. Ziel: Nacken entlasten, Aufrichtung erleichtern.

3) Schulterblatt „in die Hosentaschen“ (8–12 Wiederholungen)

Schulterblätter sanft nach hinten-unten führen, 2 Sekunden halten, lösen. Ziel: Schultergürtel stabilisieren.

4) Brustwirbelsäulen-Öffnung (1–2 Minuten)

Über ein zusammengerolltes Handtuch im oberen Rücken leicht „öffnen“. Atmung ruhig. Ziel: weniger Rundrückenstress für den Nacken.

5) Laterales Dehnen (2×20 Sekunden pro Seite)

Ohr Richtung Schulter (ohne hochziehen), die Gegenseite bewusst „schwer“ lassen. Kein Ziehen in den Arm provozieren.

6) Atem-Reset (6 tiefe Atemzüge)

Ausatmen länger als einatmen. Ziel: Nervensystem „runterfahren“, Schultertonus senken.

Wenn Sie gezielte manuelle Entlastung ergänzen möchten, kann je nach Befund auch Massage hilfreich sein: Massage in Dübendorf.

8) 4-Wochen-Plan: Schritt für Schritt zu weniger Spannung

Dieser Plan ist bewusst pragmatisch. Er ersetzt keine individuelle Abklärung, zeigt aber eine typische Progression: Entlastung → Stabilität → Belastbarkeit → Routine.

Woche 1: Entlasten & beobachten

  • Täglich 1–2 Mikropausenblöcke (2 Minuten)
  • Übungen: Schulterkreisen + Kinn zurück (je 1 Runde)
  • Mini-Tracking: Schlaf, Stress, Bildschirmzeit (1 Satz pro Tag)

Woche 2: Stabilisieren

  • 2–3×/Woche: Schulterblattkontrolle (3×10)
  • Brustwirbelsäulen-Öffnung (1–2 Minuten)
  • Ergonomie: 1 konkreter Fix (z. B. Monitorhöhe oder Headset)

Woche 3: Belastbarkeit erhöhen

  • 2×/Woche: leichtes Krafttraining (Ruderzug mit Band oder Gerät), moderat dosiert
  • Spaziergänge: 15–25 Minuten an 3–5 Tagen
  • Pausenstrategie: fester Reminder alle 45 Minuten

Woche 4: Routine & Rückfallprophylaxe

  • Ihr persönliches Minimum definieren: 6 Minuten pro Tag (realistisch, durchziehbar)
  • Trigger-Plan: Was tun an „Hochstress-Tagen“?
  • Training progressiv, aber nicht aggressiv steigern

Wenn Sie Training strukturiert aufbauen möchten (Return-to-Activity/Return-to-Sport Denkweise, auch für Nicht-Sportlerinnen und Nicht-Sportler): Sportphysiotherapie Dübendorf.

9) Kosten, Verordnung & Versicherung

Ob und wie Physiotherapie übernommen wird, hängt davon ab, ob eine ärztliche Verordnung vorliegt und ob Krankenkasse (KVG), Unfallversicherung (UVG) oder Zusatzversicherung zuständig ist. Details finden Sie hier: Zugelassen bei allen Schweizer Krankenkassen & Unfallversicherungen.

10) FAQ – Häufige Fragen zu Migräne & Physiotherapie

Kann Physiotherapie Migräne heilen?

Migräne ist eine neurologische Erkrankung. Physiotherapie „heilt“ Migräne in der Regel nicht – sie kann aber unterstützen, wenn Nacken-/Schulterspannung, Haltung, Stress und Belastungssteuerung Beschwerden verstärken.

Ist Nackenschmerz bei Migräne Ursache oder Symptom?

Beides ist möglich. Häufig kann Nackenschmerz Teil der Migräneattacke sein. Gleichzeitig kann hohe Grundspannung im Nacken/Schultergürtel den Verlauf ungünstig beeinflussen. Entscheidend ist die individuelle Abklärung.

Welche Behandlung macht ihr in der Praxis konkret?

Je nach Befund kombinieren wir manuelle Techniken, aktives Training (inkl. KGG), Haltung/Ergonomie, Atem-/Entspannungsstrategien und ein alltagstaugliches Heimprogramm. Einstieg: Physiotherapie in Dübendorf.

Wie viele Termine sind sinnvoll?

Das hängt von Häufigkeit, Begleitsymptomen und Befund ab. Viele starten mit einigen Terminen zur Entlastung und Planerstellung – danach steht die Umsetzung im Alltag im Vordergrund.

Was kann ich im Büro sofort verbessern?

Headset nutzen, Monitorhöhe prüfen, Maus/Tastatur näher, Mikropausen alle 30–45 Minuten. Kleine Änderungen wirken oft stärker als seltene „perfekte“ Massnahmen.

Hilft Massage bei Migräne?

Massage kann Muskeltonus reduzieren und kurzfristig entlasten. Für nachhaltige Effekte ist meist die Kombination mit Training/Ergonomie entscheidend. Mehr: Massage in Dübendorf.

Wann sollte ich dringend zum Arzt?

Bei plötzlichem, sehr starkem Kopfschmerz, neurologischen Ausfällen, Fieber/Nackensteife, nach Unfall oder bei deutlicher Musteränderung – bitte zeitnah abklären.

Kann der Kiefer mit Migräne zusammenhängen?

Bei Zähnepressen/Knirschen und CMD kann der Kiefer das System Nacken–Schulter–Kopf mit belasten. Mehr: Kieferbeschwerden & Zähneknirschen (CMD).

11) Termin in Dübendorf: Migräne ganzheitlich angehen

Wenn Sie Migräne erleben und gleichzeitig Nacken-/Schulterspannung, Haltungsthemen oder Stress als Verstärker vermuten, unterstützen wir Sie mit einem strukturierten, alltagstauglichen Plan.

Jetzt Termin online buchen: https://physiofit-kauz.ch/termin/
Kontakt: https://physiofit-kauz.ch/kontakt/

Standort: Im Schörli 5, 8600 Dübendorf, Schweiz

Quellen & weiterführende Informationen

Medizinischer Hinweis: Inhalte dienen der Information und ersetzen keine medizinische Beratung/Diagnostik. Bei Warnzeichen oder Unsicherheit bitte ärztlich abklären lassen.

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